Die Prämissen des Arguments  Hauptseite
Gegen
Gleichheit
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4 Fazit

Egalitarismus stützt sich gänzlich auf einen Appell an die Intuition: Die Intuition, dass Ungleichheit ungerecht sei, und dass dies schlecht sei. Ich verteidige die Verwendung von Intuition in der Ethik.[2] [2] Ethical Intuitionism, 2005 Doch an Intuition soll nicht unkritisch appelliert werden. Viele Intuitionen sind fehlerhaft und verzerrt durch Gefühle und andere Vorlieben (engl.: biases). Anzeichen für den Umstand, dass eine Intuition verzerrt ist, bestehen unter anderem darin, (a) dass sie mit einer politischen Weltanschauung zusammenhängt, beispielsweise wenn Sozialdemokraten eher zu ihr neigen als Konservative; (b) dass sie mit bestimmten Gefühlen einhergeht; und (c) dass sie zu paradoxen Ergebnissen führt oder anderen Intuitionen widerspricht, die mit geringerer Wahrscheinlichkeit durch Vorlieben beeinflusst sind. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei der Intuition, dass Gleichheit einen inneren Wert hat, um eine Vorliebe. Andererseits ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich bei der Intuition, dass Wertbeträge additiv sind, oder qualitativ übereinstimmende Ereignisse denselben Wert haben, um eine Vorliebe handelt. Letztere Grundsätze gehen mit keinen merklichen Gefühlen einher; sie sind keine Eckpunkte sozialdemokratischer, konservativer oder sonstiger Weltanschauung; und sie kommen überhaupt eher dafür in Frage, Ergebnis intellektueller Überlegung zu sein. Daher handelt es sich um die Art von Grundsätzen, die zur Lösung ethischer Konflikte und zum Ausmerzen instinktiver Fehler herangezogen werden sollten, wenn solche Konflikte sich überhaupt beilegen und solche Fehler ausmerzen lassen. Wir sollten daher auf das Argument aus Abschnitt 2↑ nicht mit der Ablehnung einer der Prämissen reagieren, um an unserer Intuition bezüglich der Gleichheit festhalten zu können. Stattdessen sollten wir den Wert der Gleichheit aufgeben angesichts seiner Unvereinbarkeit mit abstrakten Wertgrundsätzen, die auf vernünftiger Überlegung beruhen.

Fußnoten

[1]Im Anschluss behandle ich den inneren Wert der Gleichheit als übereinstimmend mit dem inneren Unwert der Ungleichheit. Genauer gesagt, befasse ich mich (nur) damit, ob Gleichheit wesenhaft besser ist als Ungleichheit.
[2]Ethical Intuitionism, 2005