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Gibt es ein Recht,
Schusswaffen zu besitzen?
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7 Weiterführende Diskussion

Bislang sind wir auf Waffenbeschränkungen nur in ihrer schärfsten Ausprägung, dem Verbot aller Schusswaffen, eingegangen. Was ist mit weniger einschneidenden Maßnahmen? Hier erwähne ich nur zwei der Maßnahmen, die häufiger vorgeschlagen oder umgesetzt werden. Erstens unterstützen viele ein Verbot aller Kurzwaffen. Zweitens verbieten viele Bundesstaaten das verdeckte Führen von Waffen an öffentlichen Orten oder schränken es erheblich ein. Was sagen unsere Überlegungen, die auf dem Recht auf Waffenbesitz fußen, über diese Maßnahmen aus?
Ich meine, diese Maßnahmen sind ebenfalls schlimme Rechtsverletzungen obgleich nicht so schlimm wie ein Totalverbot. Das liegt daran, dass sie den Menschen bei der Selbstverteidigung hohe Hürden in den Weg stellen. Merkmale von Kurzwaffen, die für Kriminelle von Nutzen sind, machen sie auch zu den geeignetsten Waffen für Selbstverteidigungszwecke – nämlich die Merkmale, dass sie klein und leicht sind, ihre wirksame Handhabung wenig Kraft und Geschick erfordert, und sie allgemein gefürchtet sind. Außerdem führte aus verschiedenen [324] Gründen fast niemand in unserer Gesellschaft eine Schusswaffe, wenn dies nicht verdeckt erfolgen darf. So gut wie niemand würde irgendeine andere Schusswaffe als eine Kurzwaffe zur Selbstverteidigung führen. Daher beseitigen Gesetze, die rechtschaffene Bürger vom verdeckten Führen von Waffen abhalten, praktisch den Selbstverteidigungsnutzen von Schusswaffen außerhalb der eigenen vier Wände,[57] [57] Ungefähr 670.000 von Klecks geschätzten 2,5 Millionen defensiven Waffeneinsätzen im Jahr ereignen sich außerhalb der Wohnung des Anwenders (Kleck, Targeting Guns, S. 192). in dem Maße wie die Gesetze befolgt werden. Wir haben gesehen, dass die besten verfügbaren Belege darauf hindeuten, dass derartige Gesetze die Kriminalität eher erhöhen als zurückdrängen; es liegt also kein Fall einer Verdrängung des Selbstverteidigungsrechts der Opfer vor. Allen zurechnungsfähigen, nicht-kriminellen Erwachsenen sollte daher gestattet werden, Kurzwaffen zu besitzen und diese verdeckt zu tragen. Je weniger Hürden oder Kosten ihnen dabei in den Weg gelegt werden, desto besser, denn von jeder solchen Hürde ist zu erwarten, dass sie bei Opfern den Anteil der Fälle von Selbstverteidigung viel stärker herabsetzt als den Anteil der Bewaffneten unter den Kriminellen.[58] [58] Ich möchte Charles Barton, Ari Armstrong, Valeria Damaio, Bruce Tiemann, Ananda Gupta, den anonymen Schiedsrichtern bei Social Theory and Practice und ganz besonders Stuart Rachels meinen Dank für Kommentare zu früheren Fassungen dieses Aufsatzes aussprechen.

Fußnoten

[1]Nicholas Dixon, „Why We Should Ban Handguns in the United States“, St. Louis University Public Law Review 12 (1993): 243–283, S. 283 u. 244.
[2]zur „Vermutung zugunsten der Freiheit“ siehe Joel Feinberg, Harm to Others: The Moral Limits of the Criminal Law (Oxford: Oxford University Press, 1984), S. 9
[3]Sie mag jedoch einen Ansatz zur Verdrängung eines Anscheinsrechts liefern, A zu tun. Siehe §2.2↓ unten.
[4]Vergleiche David Ross’ Begriff der „Anscheinspflicht“ (in The Right and the Good, Indianapolis: Hackett, 1988, S. 19f), aber beachten Sie, dass (entgegen des Eindrucks, der durch den Vergleich mit Ross entsteht) es sich – so wie ich den Ausdruck verwende – bei einem Anscheinsrecht um ein echtes Recht handelt, nicht bloß um etwas, das für gewöhnlich ein Recht ist.
[5] Vergleichen Sie Judith Jarvis Thomsons Einwände zur Verdrängungstheorie (1986, „Self-Defense and Rights“, 33–48 in Rights, Restitution, and Risk. Cambridge, Mass.: Harvard University Press, S. 42–44). Von den Ansätzen zur Selbstverteidigung, die Thomson bespricht, kommt die „sachliche Spezifikations“-Sicht meiner am nächsten; ich ziehe es jedoch vor, statt zu sagen, jemand verfüge nicht über das Recht auf Leben, lieber vom „Ceteris-Paribus“-Recht auf Leben zu sprechen (unter sonst gleichen Bedingungen ist es falsch für andere, jemanden zu töten). Die Schwierigkeit, alle Ausnahmen aufzuzählen, welche Thomson anführt (S. 38–39), ist nicht schlüssig, denn Ceteris-Paribus-Einschränkungen kommen in philosophischen und sonstigen Grundsätzen häufig vor, und wir erwarten selten die Angabe aller Ausnahmen.
[6]Siehe Derek Parfits Besprechung der Bedürfniserfüllungstheorie, der hedonistischen Theorie und der Ziellistentheorie (in Reasons and Persons, Oxford: Clarendon Press, 1987, S. 4). Die beiden letzteren lassen zu, dass Interessen und Absichten einer Person voneinander abweichen.
[7]Dies hebt sich von der Sicht ab, welche Todd Hughes und Lester Hunt („The Liberal Basis of the Right to Bear Arms“, Public Affairs Quarterly 14, 2000, S. 7) vorschlagen: „Angenommen die Stärke der Gründe zur Anerkennung eines Rechts seien proportional zur Wichtigkeit der menschlichen Interessen, die es schützt.“ Beachten sie jedoch, dass die Argumente, welche sie in jenem Abschnitt vorbringen, ebenso gut auf mein Verständnis von Rechten passt.
[8]Dieser Schluss ist fragwürdig: Vielleicht kann ein Mensch ein Interesse zu etwas moralisch Schlechtem haben. Aber nehmen wir an, die Befürworter behaupten, dies träfe hier nicht zu, vielleicht weil man ein aufhebendes Interesse hat, tugendhaft zu sein.
[9]Der Zweck des Beispiels mag durch Unglauben gegenüber den anti-homosexuellen Prämissen vernebelt werden. Aber man kann Beispiele von Paaren finden (egal ob homo- oder heterosexuell), deren Beziehungen ihnen emotional selber schadet, und ich nehme an, dass selbst in solchen Fällen ein gewaltsamer Eingriff in solche Beziehungen keine Bagatellverletzung des Rechts wäre.
[10]Umfragen ergeben, dass ungefähr die Hälfte der amerikanischen Männer und ein Viertel der amerikanischen Frauen Waffen besitzt (siehe Harry Henderson, Gun Control, New York: Facts on File, 2000, S. 231; John Lott, More Guns, Less Crime, 2nd ed., Chicago: University of Chicago Press, 2000, S. 37 u. 41).
[11]siehe National Safety Council, Injury Facts, 1999 Edition (Itasca, Ill.: National Safety Council, 1999), S. 8f u. 44f; National Safety Council, „Odds of Death Due to Injury, United States, 1998“ (URL: http://www.nsc.org/lrs/statinfo/odds.htm, abgerufen am 22. Mai 2002). Dort wird die Tatsache übersehen, dass es sich bei den meisten Unfalltoten vermutlich um die Waffenbesitzer selbst handelt. Zählten wir bei den Unfällen nur Todesfälle von Dritten, fiele die Häufigkeit vermutlich viel geringer aus.
[12]siehe Dixon 1993, „Why We Should Ban Handguns in the United States“ St. Louis University Public Law Review 12: 243–283, S. 266. Ähnlich äußert sich Jeff McMahan (unveröffentlichte Kommentare zu diesem Aufsatz, 7. Januar 2002): „die meisten [Morde] passieren, wenn ein stinknormaler Mensch durch eine ungewöhnliche Verkettung von Umständen über eine bestimmte emotionale Schwelle hinweg gestoßen wird.“
[13]Lott More Guns, Less Crime S. 8; U.S. Department of Justice, „Bureau of Justice Statistics Special Reports: Murder in Large Urban Counties, 1988“, Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, 1993; U.S. Department of Justice, „Bureau of Justice Statistics Special Reports: Murder in Families“, Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, 1994.
[14]Feinberg (Harm to Others, S. 193–198) bespricht Besitzkartensysteme als Alternative zu pauschalen Verboten oder Erlaubnissen von riskanten Aktivitäten wie dem Waffenbesitz. Aus Platzgründen ist es nicht möglich, ausführlich darauf einzugehen ebenso wie auf andere gemäßigte Vorschläge zur Waffenreglementierung. Um Bedenken zu zerstreuen, ich griffe eine Strohmann-Position an, verweise ich darauf, dass einige Verfechter der Waffenbeschränkung offen ein pauschales Feuerwaffenverbot oder ähnliche Maßnahmen, wie ein Kurzwaffenverbot, unterstützt haben (siehe Marvin Wolfgang, „A Tribute to a View I Have Opposed“, Journal of Criminal Law and Criminology 86 [1995]: 188–192, S. 188; Dixon, „Why We Should Ban Handguns“; Nicholas Dixon, „Perilous Protection: A Reply to Kopel“, St. Louis University Public Law Review 12 [1993]: 361–391; Deborah Prothrow-Stith und Michaele Weissman, Deadly Consequences [New York: Harper-Collins, 1991], S. 198), und dass laut Umfragen 20 % der Bevölkerung ein Totalverbot von Feuerwaffen befürwortet (Henderson, Gun Control, S. 246). Des Weiteren ermöglicht uns die Untersuchung dieses Vorschlags, den theoretischen Rahmen zu entwickeln, der für die Bewertung weniger extremer Formen der Waffenreglementierung notwendig ist.
[15]Siehe beispielsweise den Austausch zwischen Dixon und Kopel (Dixon, „Why We Should Ban Handguns“ und „Perilous Protection“; David Kopel, „Peril or Protection? The Risks and Benefits of Handgun Prohibition“, St. Louis University Public Law Review 12 [1993]: 285–359), bei dem Dixon dieses Gewicht früh als „unbedeutend“ verwirft, und keine Seite es wieder erwähnt, obwohl Kopels Antwort in anderer Hinsicht gründlich ist.
Die Jagd wirft andere ethische Fragen auf, die wir hier nicht behandeln können. Aber im Vorbeigehen mag sich die Beobachtung lohnen, dass jeder ethische Einwand zur Jagd schwächer wäre als solche, welche auf alternative Methoden der Fleischgewinnung (Massentierhaltung) zutreffen.
[16]Lexikalisch x übergeordnet zu sein, bedeutet in der lexikalischen Ordnung der Güter höher als x zu stehen. Bakal (The Right to Bear Arms, New York: McGraw-Hill, 1966, S. 340) scheint bei der Besprechung von Waffenbeschränkungen dieser Sicht beizupflichten. Beispielsweise postuliert Rabbi Moshe Tendler (zitiert in Edward Keyserlingk, Sanctity of Life or Quality of Life, Law Reform Commission of Canada, 1982, S. 21) ausdrücklich den „unendlichen“ Wert allgemein von jedem Teil des Lebens.
[17]Ich unterstelle, dass jene, die behaupten, Leben sei jedem Betrag von Freizeitgenuss überlegen, ebenso sagen, jede Verlängerung eines Lebens sei jedem Betrag von Freizeitgenuss überlegen. Sonst wäre die lexikalische Überlegenheit des Lebens für die Waffenrechtsdiskussion ohne Belang – Schusswaffengewalt hindert keinen Menschen daran, ein Leben zu haben, sondern verkürzt nur vorhandene Leben.
[18]Es fällt schwer, wissenschaftliche Informationen zur Bestätigung zu finden, obgleich anekdotische Berichte von der zentralen Bedeutung von Feuerwaffen im Leben von Enthusiasten leicht verfügbar sind (beispielsweise Abigail Kohn, „Their Aim Is True: Taking Stock of America’s Gun Culture“, Reason, Mai 2001: 26–32). Selbst Verfechter von Waffenbeschränkungen reden von Amerikas „Waffenkult“ und „Waffenliebe“ (beispielsweise Michael Bellesiles, Arming America: The Origins of a National Gun Culture, New York: Alfred A. Knopf, 2000, S. 3–9).
[19]Die jährliche Zahl der Todesfälle durch Feuerwaffen in Amerika einschließlich Selbstmorden liegt bei etwa 35.000 (Henderson, Gun Control, S. 225). Ungefähr 77 Millionen Amerikaner besitzen Schusswaffen (ebenda, S. 231; Lott, More Guns, Less Crime, S. 37 u. 41), obgleich die meisten vermutlich keine Enthusiasten sind. Dies ergibt ein Verhältnis von 2200:1. 46 % der befragten Waffenbesitzer geben Jagd oder Sportschießen als Hauptgrund für das Bereithalten einer Waffe an (Henderson, Gun Control, S. 234).
[20]Ein alternativer Vorschlag würde den Verkauf neuer Waffen unterbinden in der Hoffnung, den Nachschub über die Jahrzehnte hinweg auszutrocknen. Meiner Ansicht nach würde dies immer noch die Rechte von Menschen verletzen, die Schusswaffen erwerben wollen, und außerdem wäre der zu erwartende Einfluss auf den Waffengebrauch von Kriminellen viel geringer. Jedenfalls betrachte ich der Einfachheit halber nur den Vorschlag zur Konfiszierung.
[21]Gary Kleck, Targeting Guns: Firearms and Their Control, New York: Aldine de Gruyter, 1997, S. 170–174 u. 190; Lawrence Southwick, „Self-Defense with Guns: The Consequences“, Journal of Criminal Justice 28 (2000): 351–370.
[22]Arthur Kellerman und Donald Reay, „Protection or Peril? An Analysis of Firearm- Related Deaths in the Home“, New England Journal of Medicine 314 (1986): 1557–1560.
[23]Hugh LaFollette, „Gun Control“, Ethics 110 (2000): 263–281, S. 276 (Betonung hinzugefügt). Dixon („Why We Should Ban Handguns“, S. 276) zitiert die Statistik fälschlich mit 53 statt 43; Ihm ist jedoch zu gute zu halten, dass er zugibt, dass die Zahl aufgebauscht ist, und er sagt, dass stattdessen der Wert 2,94 eingesetzt werden solle.
[24]Kellerman und Reay, „Protection or Peril?“, S. 1559
[25]Kleck, Targeting Guns, S. 162–164 u. 178. Kleck schätzt, dass in ungefähr 1 % der Fälle des defensiven Waffengebrauchs ein Schuss abgegeben wird, und dass in einem von tausend der Täter erschossen wird, obgleich diese Zahlen Mutmaßungen zu sein scheinen. Kopel („Peril or Protection?“, S. 343) schätzt, dass höchstens 1 % des defensiven Waffengebrauchs zu einem Todesfall führt.
[26]Kleck, Targeting Guns, S. 269–292.
[27]Hughes und Hunt („Liberal Basis“, S. 13–14) bringen dieses Argument vor.
[28]Kopel („Peril or Protection?“, S. 342) zitiert Fälle, die im Time-Magazine (17. Juli 1989 u. 14. Mai 1990) besprochen wurden und andeuten, dass vielleicht 3/4 der Fälle von Selbstverteidigung ursprünglich nicht von Polizei und Staatsanwaltschaft als solche bezeichnet werden.
[29]Dixon, „Why We Should Ban Handguns“, S. 248–253; LaFollette, „Gun Control“, S. 275; J. H. Sloan, A. L. Kellermann, D. T. Reay, J. A. Ferris, T. Koepsell, F. P. Rivara, C. Rice, L. Gray u J. LoGerfo, „Handgun Regulations, Crime, Assaults, and Homicide: A Tale of Two Cities“, New England Journal of Medicine 319 (1988): 1256–1262 (obgleich Sloan nur zwei Städte miteinander vergleicht). Beachten Sie aber, dass die Korrelation empfindlich darauf reagiert, welche Länder man zum Vergleich heranzieht (siehe Edgar Suter, „Guns in the Medical Literature—A Failure of Peer Review“, Journal of the Medical Association of Georgia 83 [1994]: 133–148, S. 142)
[30]Kopel, The Samurai, The Mountie, and the Cowboy: Should America Adopt the Gun Controls of Other Democracies? (Buffalo, N.Y.: Prometheus, 1992); zusammengefasst in Kopel, „Peril or Protection?“ S. 304–307
[31]Zu (i) und (ii) siehe §5.1.2↑ unten sowie Kopel, „Peril or Protection?“ 1993, S. 308. Zu (iii) siehe Lott, More Guns, Less Crime, S. 114. Lotts Zahlen zur Korrelation zwischen Waffenbesitz und Kriminalitätsrate beinhalten u. a. Kontrollvariablen für die Häufigkeit von Verhaftungen, Einkommen, Bevölkerungsdichte. Zu (iv) siehe Don Kates, Henry Schaffer, John Lattimer, George Murray und Edwin Cassem, „Guns and Public Health: Epidemic of Violence or Pandemic of Propaganda?“ Tennessee Law Review 62 (1995): 513–596, S. 571–574.
[32]Kleck, Targeting Guns, S. 149–152 u. 187–188.
[33]Gary Kleck und Marc Gertz, „Armed Resistance to Crime: The Prevalence and Nature of Self-Defense with a Gun“, Journal of Criminal Law and Criminology 86 (1995): 150–187; ausführlicher behandelt in Kleck, Targeting Guns. Einen Hinweis auf den zwingenden Charakter der Studie gibt die Reaktion von Wolfgang, der sich selbst als einen „so überzeugten Verfechter der Waffenreglementierung, wie man ihn in unter Kriminologen in diesem Land überhaupt finden mag“ („Tribute“, S. 188) bezeichnet, aber anschließend einräumt: „Nichtsdestotrotz ist die aktuelle Studie von Kleck und Gertz methodologisch eindeutig solide. Ich kann sie nicht weiter erörtern.“ (S. 191)
[34]Im Jahre 1993, dem Jahr der Kleck-Gertz-Studie, geschahen nur etwa 25.000 Morde (U.S. Federal Bureau of Investigation, Crime in the United States 1995: Uniform Crime Reports [Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, 1996; URL [vom Übersetzer aktualisiert, abgerufen 3. Jan. 2014]: http://www.fbi.gov/about-us/cjis/ucr/crime-in-the-u.s/1995/95sec2.pdf], S. 14f). Es ist nicht plausibel, dass die Zahl der Morde, die durch die Anwesenheit von Schusswaffen vermieden wurde, so stark die Zahl der tatsächlich verübten Morde überschreitet, selbst wenn wir zugestehen, dass Menschen, die einem erhöhten Risiko von Mordversuchen ausgesetzt sind, eher Waffen besitzen.
[35]Kleck, Targeting Guns, S. 159f. Beachten Sie jedoch, dass die Zahlen, die für die Häufigkeit von Schusswaffendelikten angenommen werden, sich auf den NCVS und FBI-Berichte (FBI’s Uniform Crime Reports) stützen, welche Straftaten, bei denen es sich nicht um Tötungsdelikte handelt, stark unterschätzen, weil die Opfer in solchen Fällen seltener Anzeige erstatten.
[36]Hemenway („Survey Research and Self-Defense Gun Use: An Explanation of Extreme Overestimates“, Journal of Criminal Law and Criminology 87 [1997]: 1430–1445) sowie Philip J. Cook, Jens Ludwig und David Hemenway („The Gun Debate’s New Mythical Number: How Many Defensive Uses Per Year?“ Journal of Policy Analysis and Management 16 [1997]: 463–469) haben behauptet, alle Umfragen lieferten starke Überschätzungen vielleicht um den Faktor 30. Die Skepsis von Cook und Ludwig hinsichtlich der Nützlichkeit von Umfragen zur Schätzung der Häufigkeit defensiven Waffengebrauchs kam auf, nachdem eine Studie, an der sie gearbeitet hatten, Ergebnisse lieferte, welche Klecks Arbeit bestätigte (Cook et al., „Gun Debate“, S. 464f). Siehe Gary Kleck, „Degrading Scientific Standards to Get the Defensive Gun Use Estimate Down“, Journal on Firearms and Public Policy 11 (1999): 77–137, für Erwiderungen auf ihre Einwände.
[37]Cook et al., „Gun Debate“, S. 468. Eine Analyse von Daten aus früheren Jahren liefern David McDowall und Brian Wiersema, „The Incidence of Defensive Firearm Use by U.S. Crime Victims, 1987 through 1990“, American Journal of Public Health 84 (1994): 1982–1984; sowie Gary Kleck, „Crime Control through Private Use of Armed Force“, Social Problems 35 (1988): 1–21, S. 9; und Philip J. Cook, „The Technology of Personal Violence“, in Crime and Justice: A Review of Research, vol. 14, Hrsg. Michael Tonry (Chicago: University of Chicago Press, 1991), S. 54–56.
[38]Kleck, Targeting Guns, S. 152–154.
[39]Siehe McDowall und Wiersema („Incidence“, S. 1983), obgleich sie nicht meinen, dass uns diese Tatsache davon abhalten sollte, der NCVS zu vertrauen.
[40]John Lott und David Mustard, „Crime, Deterrence, and Right-to-Carry Concealed Handguns“, Journal of Legal Studies 26 (1997): 1–68; ausführlich besprochen in Lott, More Guns, Less Crime.
[41]Lott, More Guns, Less Crime, S. 46
[42]ebenda, S. 70–81
[43]ebenda, S. 51 u. 73. Auf S. 122–158 geht er auf verschiedene Einwände von Befürwortern von Waffenbeschränkungen ein.
[44]LaFollette, „Gun Control“, S. 273f.
[45]Ausgehend von geschätzten 230 Millionen Waffen in Privatbesitz innerhalb der Vereinten Staaten (Kleck, Targeting Guns, S. 63–70 u. 96–97), kann im Falle eines Waffenverbots von einem großen Schwarzmarkt ausgegangen werden. In diesem Zusammenhang bemerkt Kopel („Peril or Protection?“, S. 319), dass sowohl die Alkohol- wie auch die Drogenprohibition jeweils einen großen Schwarzmarkt zur Folge hatte, und den Bürgern die Beschaffung nicht sonderlich erschwerte.
[46]Kleck, Targeting Guns, S. 205f u. 213. Die Statistik beinhaltet alle Teilnehmer, die angaben, im Vorjahr mindestens einmal eine Schusswaffe geführt zu haben, wobei die Mitnahme in einem Fahrzeug eingeschlossen war. Durchschnittlich gaben Waffenträger an, im Jahr an 140 Tagen Waffen geführt zu haben. Scharfe Waffengesetze bezüglich des verdeckten Führens halten vermutlich viele andere davon ab, ihre Waffen an öffentlichen Orten zu führen.
[47]James Wright und Peter Rossi, Armed and Considered Dangerous: A Survey of Felons and Their Firearms (Hawthorne, N.Y.: Aldine de Gruyter, 1986), S. 144–146.
[48]H. J. McCloskey, „An Examination of Restricted Utilitarianism“, Philosophical Review 66 (1957): 466–485, S. 468f; 1963. Ich habe das Beispiel leicht abgewandelt.
[49]Diese Ansicht stößt auf breite Akzeptanz; siehe Samuel Scheffler, The Rejection of Consequentialism, 2. Ausgabe (Oxford: Clarendon Press, 1994), S. 80; Robert Nozick, Anarchy, State, and Utopia (New York: Basic Books, 1974), S. 28–31 [ Anarchie – Staat – Utopia
, Olzog]; Thomas Nagel, „Nozick: Libertarianism without Foundations“, in Other Minds: Critical Essays 19691994 (New York: Oxford University Press, 1995), S. 145.
[50]siehe Philippa Foot, „The Problem of Abortion and the Doctrine of the Double Effect“, Oxford Review 5 (1967): 5–15; Judith Jarvis Thomson, „Killing, Letting Die, and the Trolley Problem“, The Monist 59 (1976): 204–217.
[51]Gemäß einer informellen Umfrage des Autors unter Studenten. Es handelt sich um eine klare Mehrheit, selbst wenn die Studenten zuvor mit dem Beispiel vom Arzt konfrontiert wurden, der einen Patienten tötet, um dessen Organe an fünf andere Patienten zu verteilen.
[52]Foot („Problem of Abortion“) verteidigt diesen Grund.
[53]zu weiteren Schwierigkeiten siehe Jonathan Bennett, The Act Itself (Oxford: Clarendon Press, 1995)
[54]Thomson, „Killing“; Allerdings gibt Thomson später eine andere (und in meinen Augen weniger befriedigende) Theorie zu diesen Fällen an in The Realm of Rights (Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1990), S. 180–200).
[55]Diese Art von Beschuldigungen scheinen die Grundlage für den Vorwurf der moralischen Verkommenheit an die Waffenbranche zu sein (beispielsweise Ronald Green, „Legally Targeting Gun Makers: Lessons for Business Ethics“, Business Ethics Quarterly 10 [2000]: 203–210; George Brenkert, „Social Products Liability: The Case of the Firearms Manufacturers“, Business Ethics Quarterly 10 [2000]: 21–32). Es ist bemerkenswert, dass selbst diese Kritiker Einschränkungen der Verkäuferverantwortung, der von mir vorgeschlagenen Art, zu akzeptieren scheinen.
[56]Das „Atomraketenbeispiel“ (welches gelegentlich in informellen Diskussionen aufkommt) stellt nur die extreme Form des Einwandes dar. In dem Zusammenhang hat Hugh LaFollette (in unveröffentlichten Kommentaren zu diesem Aufsatz) eingewendet, meine Position führe zur Existenz eines Rechts auf den Besitz von Maschinengewehren, Granaten und Bazookas.
[57]Ungefähr 670.000 von Klecks geschätzten 2,5 Millionen defensiven Waffeneinsätzen im Jahr ereignen sich außerhalb der Wohnung des Anwenders (Kleck, Targeting Guns, S. 192).
[58]Ich möchte Charles Barton, Ari Armstrong, Valeria Damaio, Bruce Tiemann, Ananda Gupta, den anonymen Schiedsrichtern bei Social Theory and Practice und ganz besonders Stuart Rachels meinen Dank für Kommentare zu früheren Fassungen dieses Aufsatzes aussprechen.