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Lob der Untätigkeit
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3 Was hält uns in Unwissenheit?

3.1 Vernünftige Unwissenheit und Unvernunft

Die meiste Zeit über setzen Menschen ihre Vernunft zweckgebunden ein. Das heißt, sie treffen Entscheidungen nur in Fällen, bei denen der Nutzen die Kosten rechtfertigt (gemäß ihrer eigenen Wertvorstellung und Risikobewertung). Daher sollten wir erwarten, dass Leute nur politisch bewandert sind, falls der Nutzen dieses Wissens die Kosten aufwiegt.
Der Nutzen politischen Wissens ist zweifelhaft. Für die überwältigende Mehrheit der Menschen hat politisches Wissen keinen Einfluss auf ihren Lebensweg, da ihre Aussicht, staatliche Maßnahmen zu beeinflussen, gegen Null tendiert. Nur wenn man Wissen einen inneren Wert beimisst, [18] kann man sich vom Wissenserwerb einen nennenswerten Nutzen erhoffen.
Die Kosten politischen Wissens können jedoch gewaltig sein – schon alleine an Zeit und Mühe. Man muss die Regierungsvertreter kennen, ihr Abstimmungsverhalten nachvollziehen, dazu die betreffenden Gesetzesvorlagen kennen und sich Hintergrundwissen und Argumente zu zahlreichen politischen Einzelfragen aneignen, was in den meisten Fällen ein schwieriges und langwieriges Einlesen in Fachliteratur erfordert. Opferte man jede wache Stunde diesem Studium, so wäre man über die bedeutendsten Problemstellungen gut auf dem Laufenden.
Es gibt noch eine zweite weniger greifbare Art Kosten. Die Aneignung der wichtigsten politischen Wissensbausteine etwa zu den Fragen, ob Waffengesetze gut sind, ob die Todesstrafe gerecht ist, oder ob billiges Geld der Wirtschaft auf die Beine hilft, erfordert die sorgsame Hege erkenntnistheoretischen Vernunftgebrauchs. Man muss darauf hinarbeiten, die eigene Voreingenommenheit zu erkennen und zu überwinden. Man muss Informationen und Argumente aufspüren, welche der eigenen bisherigen Meinung zuwider laufen, und sich bemühen, diesen Argumenten unvoreingenommen zu folgen. Häufig fordert die Vernunft, dass man eingesteht, bislang einer falschen Meinung angehangen zu haben oder schlicht die Antwort auf eine wichtige Frage nicht zu kennen. Wer sich der Vernunft verschreibt, dessen Wünsche werden häufig enttäuscht, weil er nicht einfach glauben darf, was er glauben will.
Grob läuft all das auf folgenden Schluss hinaus:
  1. Man handelt nur, wenn der Nutzen größer ist als die Kosten.
  2. Der Nutzen politischen Wissenserwerbs ist äußerst gering.
  3. Die Kosten politischen Wissenserwerbs sind beträchtlich.
  4. Deswegen erwirbt man kein politisches Wissen.
Dabei handelt es sich natürlich um eine starke Vereinfachung. Manchmal handeln Menschen gemessen an einer Zweckbindung unvernünftig; manche Leute mögen politischem Wissen einen hohen inneren Wert beimessen; und einige wenige (wie bekannte Politiker und wohlhabende Parteispender) haben ernsthafte Aussichten, staatliche Maßnahmen zu beeinflussen. Trotz dieser Ausnahmen glaube ich, dass obiger Schluss ein grundlegendes Verständnis für den niedrigen Stand politischen Wissens in der Allgemeinheit bietet.[4] [4] Zur weiteren Stützung dieser Art von Theorie siehe Downs (1957, S. 244–245) und Caplan (2007).
Was ist mit Spitzenpolitikern und Parteispendern, die – wie bereits angedeutet – wirklich Einfluss auf staatlich Maßnahmen nehmen können? Bestehen für sie starke Anreize, sich politisches Wissen anzueignen? Ja und nein. Für sie besteht ein starker Anreiz, herauszufinden welche Maßnahmen sie im eigenen Interesse voranbringen sollten. Ein Politiker mag einen starken Anreiz haben, herauszubekommen welcher Standpunkt unter Wählern und Parteispendern beliebt ist. Aber das ist etwas ganz anderes als die Suche nach den Maßnahmen, die wirklich am besten sind. Nehmen wir beispielsweise an, Einwanderungsbeschränkungen seien ungerecht und schadeten der heimischen Wirtschaft, aber die meisten Wähler begrüßten sie.[5] [5] Siehe meinen Beitrag von 2010[19] und Simon 1999. Ein Politiker, der für die Aufhebung von Einwanderungsbeschränkungen eintritt, kann sich im Erfolgsfall über einen leicht erhöhten Wohlstand für sein Land freuen und außerdem über eine gerechtere Welt, bezahlt dafür aber womöglich mit dem Verlust seines Amts oder Mandats. Eine Stimme für die Aufhebung von Einwanderungsbeschränkungen zahlt sich – gemessen am Eigeninteresse – höchstwahrscheinlich nicht aus. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf besteht für einen Politiker von vornherein kaum ein Anreiz, herauszufinden ob Einwanderungsbeschränkungen ungerecht oder schädlich sind.

3.2 Wen kümmert das Gemeinwohl?

Jene mit gefestigten politischen Ansichten, also u. a. Wähler, Aktivisten, Kritiker und Spitzenpolitiker, bilden sich typischerweise ein, für bewundernswerte Anliegen zu arbeiten – etwa für soziale Gerechtigkeit, das Gemeinwohl oder moralische Tugenden. Die meisten sehen ihren Einsatz fürs eigene Weltbild als edles und selbstloses Unterfangen. Dies trifft auf Menschen im gesamten politischen Spektrum zu, egal ob konservativ oder liberal, ob sozialistisch oder anarchistisch. Ich hege jedoch den Verdacht, dass es sich dabei um ein selbstgerechtes Trugbild handelt. Sehr wenige Menschen [19] treiben solche Dinge wie die soziale Gerechtigkeit oder das Gemeinwohl besonders um. Nahezu jeder kümmert sich ein klein wenig um diese Dinge, und wenige Menschen legen sich dafür richtig ins Zeug. Aber die meisten, die sich einbilden, von hohen Idealen tief bewegt zu sein, sind es in Wirklichkeit gar nicht.
Diese Behauptung mag überraschen. Wie lässt sich sonst erklären, dass jemand sein Leben dem öffentlichen Dienst widmet? Oder dass Aktivisten den größten Teil ihrer Freizeit in die Verbreitung politischer Propaganda, das Organisieren von Protestaktionen usw. stecken? Ich unterstelle, was diese Menschen hauptsächlich bewegt, ist nicht der Wunsch nach einem hohen Ideal sondern nur der Wunsch nach dem Selbstbild, dafür zu arbeiten – beispielsweise bewegt sie nicht der Wunsch nach Gerechtigkeit sondern der Wunsch, sich selbst als Kämpfer für Gerechtigkeit zu sehen. Diese beiden möglichen Wünsche ähneln einander stark und erscheinen auf den ersten Blick vielleicht praktisch ununterscheidbar: Wenn ich ein Selbstbild aufbauen will, wonach ich für Gerechtigkeit eintrete, dann ist das, was ich tun muss, für Gerechtigkeit einzutreten; aber genau das gleiche muss ich tun, wenn ich schlicht für Gerechtigkeit eintreten will.
Doch es gibt zumindest eine Möglichkeit den Wunsch nach X vom Wunsch nach dem Selbstbild, X voranzubringen, zu unterscheiden. Diese besteht in der Betrachtung des Aufwandes, den das Subjekt betreibt, um herauszufinden, was X voranbringt. Dahinter steht die Überlegung, dass der Wunsch nach dem Selbstbild, X voranzubringen, dadurch erfüllt wird, dass man etwas tut, von dem man glaubt, es bringe X voran, wogegen der Wunsch nach X nur dadurch erfüllt wird, dass man X erfolgreich voranbringt. Daher benötigt nur jemand, der X selbst anstrebt, zutreffende Überzeugungen darüber, was X voranbringt; jemand der bloß das Gefühl anstrebt, X voranzubringen, braucht feste Überzeugungen (so dass er das sichere Gefühl erhält, X voranzubringen) aber nach seinem Maßstab nicht notwendigerweise zutreffende Überzeugungen.
Demnach können wir unter der Annahme, dass Menschen zweckgebundene Vernunft an den Tag legen, die folgenden theoretischen Vorhersagen treffen. Wenn Menschen hohen Idealen nacheifern wie der Gerechtigkeit oder dem Allgemeinwohl, dann arbeiten sie eifrig daran, herauszufinden was diese tatsächlich voranbringt, und begeben sich auf die Suche nach Hinweisen auf Fehler in ihren Annahmen darüber, was sie voranbringt, da falsche Überzeugungen gemäß diesem Maßstab dazu führen könnten, dass all ihre Anstrengungen vergebens sind. Wenn andererseits Menschen nur das Gefühl anstreben, hohe Ideale voranzubringen, dann üben sie wenig Sorgfalt beim Bilden ihrer Überzeugungen darüber, was ihre Ideale voranbringt, und unterlassen das Sammeln von Hinweisen, welche diese Überzeugungen untergraben könnten.
Welche Hypothese passt besser zu unseren Beobachtungen? Mir scheint, dass die meisten Leute, die mit großem Aufwand politische Anliegen voranbringen, sehr wenig Aufwand darauf verwenden, sich zu vergewissern, dass ihre Überzeugungen zutreffen. Sie neigen zu felsenfesten Überzeugungen, welche sie äußerst ungern überdenken. Wenn sie mit neuen Angaben konfrontiert werden, die ihren bestehenden Überzeugungen widersprechen, reagieren diese Menschen sehr viel eher mit Wut als mit Dankbarkeit, so als wären sie einem Angriff ausgesetzt. Zugegebenermaßen sind diese Eindrücke anekdotenhaft. Aber ich bin ernsthaft der Meinung, dass meine diesbezügliche Erfahrung so verbreitet ist, dass nur sehr wenige diese Beobachtungen anfechten. Die Belege legen daher nahe, dass politisch engagierte Leute eher vom Wunsch angespornt werden, sich als Kämpfer für politische Ideale zu sehen, als vom Wunsch nach diesen Idealen selbst.

3.3 Gesellschaftstheorie ist schwieriger als Sie glauben

Es gibt noch einen anderen Grund, aus dem Menschen bei der Klärung politischer Fragen lausig sind: Es ist sehr viel schwieriger, ein Problem zu durchdenken, als es zunächst scheint. Dies trifft auf nahezu alle Wissensbereiche zu, doch einige Disziplinen (zu denen die Politik nicht gehört) haben zuverlässige Denkmethoden entwickelt.
Lassen Sie mich einige Beispiele anführen. Von den alten Griechen bis ins Mittelalter war die gängige Sicht der Wissenschaft (oder dessen was damals als solche durchging), dass die physische Welt sich aus vier Elementen zusammensetze: Erde, Luft, Feuer und Wasser. Die gängige Krankheitstheorie in der Medizin lautete, dass Ungleichgewichte der vier Körperflüssigkeiten – nämlich Blut, Galle, schwarzer Galle und Schleim – Krankheiten auslösten. Beispielsweise werde Fieber durch überschüssiges Blut ausgelöst, so dass es einer Behandlung durch Aderlassen bedürfe. Die [20] antike und mittelalterliche Theorie vom Kosmos setzte die Erde ins Zentrum, wobei Sonne und Planeten die Erde umkreisten. Die Fixsterne galten als Lichtpunkte auf einem sphärischen Firmament, welches Sonne, Erde und Planeten umschloss.
Heute wissen wir, dass all diese Theorien völlig verkehrt waren und nicht annähernd der Wahrheit entsprachen. Dennoch genossen sie unter Fachgelehrten über Jahrhunderte hinweg große Akzeptanz. Es handelt sich dabei nur um wenige Beispiele; wer die Ideengeschichte studiert, stößt auf viele weitere. Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat sich die Mehrheit unserer Theorien zur Erklärung der Welt später als falsch herausgestellt.[6] [6] zur antiken und mittelalterlichen Wissenschaftsgeschichte siehe Lindberg (1992).
Dies mag im ersten Moment verwundern. Wir sind nicht davon überrascht, dass wir manchmal daneben liegen. Unfehlbarkeit ist nicht zu erwarten. Doch wenn wir es nicht gerade darauf anlegen, daneben zu liegen, wie brachten wir es dann fertig, durchweg die Wahrheit zu verfehlen?
Es gibt dafür eine einfache philosophische Erklärung, die von der Tatsache ausgeht, dass die Zahl möglicher Theorien zur Erklärung eines bestimmten Phänomens gewaltig wenn nicht sogar unendlich ist. Davon sind alle bis auf eine falsch. Wenn also von T nur bekannt ist, dass es sich um eine Theorie handelt, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass T zutrifft, nahezu Null. Dennoch haben Denker dies oft blauäugig übersehen, weil einem gewöhnlichen Menschen zur Erklärung eines bestimmten Phänomens typischerweise nur sehr wenige (ihm glaubhaft erscheinende) Theorien einfallen. Es verhält sich nicht so, dass wir die Wahrheit vor Augen haben und sie verwerfen; in der überwältigen Mehrheit der Fälle gehört die Wahrheit nicht zu den ersten Einfällen, welche uns zur Erklärung eines Phänomens in den Sinn kommen. Beispielsweise haben die alten Griechen nicht die Quantentheorie verworfen; sie haben diese schlicht nicht in Betracht gezogen und konnten es auch gar nicht.
Soweit zu diesem einfachen Grund für die menschliche Unzuverlässigkeit. Ein weiterer Einflussfaktor besteht im verbreiteten Vorkommen des Bestätigungsfehlers: Wenn wir über eine Hypothese nachdenken, neigen wir von Natur aus dazu, nach Belegen Ausschau zu halten, welche die Hypothese stützen, statt nach solchen, die sie widerlegen.[7] [7] Diese Neigung ist in der Psychologie gut untersucht; siehe Gilovich 1991, Kapitel 3 u. 4. Eine Theorie, welche anfangs halbwegs glaubhaft erscheint, kann mit der Zeit immer gefestigter wirken, da wir stützende Belege sammeln und Widersprechendes übersehen. Nehmen wir die Tatsache hinzu, dass bei den meisten theoretischen Fragen die Menschen eher der Wunsch nach einem Glauben antreibt, der ihnen Halt gibt, als der Wunsch, die Wahrheit zu finden, so gelangen sie sehr viel eher zu fehlerhaften Überzeugungen.
Zum Glück hat die moderne Wissenschaft Techniken entwickelt, die unsere Zuverlässigkeit stark verbessern. Heutzutage überprüfen wir Hypothesen experimentell und treiben ernsthaft und bewusst Aufwand zu ihrer Widerlegung. Doch in Bezug auf politische Weltanschauungen sind keine derartigen Techniken entwickelt worden. Wissenschaftliches Denken scheint häufig nicht ins politische Geschäft vordringen zu können mit der Folge, dass unsere politische Theoriebildung ungefähr so zuverlässig ist, wie es jedwede Theoriebildung vor dem Beginn moderner Wissenschaft war.
Warum können wir die Methoden, die in den Naturwissenschaften so erfolgreich waren, nicht auf politische Fragen anwenden? Einige der zu beantwortenden Fragen erscheinen grundsätzlich nicht-empirisch. Mit welchem Experiment können wir beispielsweise testen, ob die Gerechtigkeit fordert, dass die Gesellschaft den Wohlstand von den Reichen an die Armen umverteilt? Andere Fragen lassen sich schwer untersuchen, weil uns keine kontrollierten Experimente zur Verfügung stehen. Wenn wir prüfen wollen, ob Konjunkturspritzen Rezessionen heilen, können wir nicht zwei übereinstimmende Gesellschaften mit übereinstimmenden Rezessionen vorbereiten und anschließend der einen die Konjunkturspritze verabreichen und der anderen nicht. Wir können auch nicht eine große Zahl von Gesellschaften hernehmen, die gerade in einer Rezession stecken, und dann nach dem Losverfahren der einen Hälfte Konjunkturspritzen zukommen zu lassen und der anderen nicht. Ein Sozialwissenschaftler vermag nicht, mit Gesellschaften so zu experimentieren, wie es ein Naturwissenschaftler mit unbelebten Gegenständen im Labor tun kann. Schlussendlich sind gesellschaftliche Phänomene unermesslich komplizierter als Phänomene, die Physiker und Chemiker untersuchen. Eine Gesellschaft umfasst Tausende oder Millionen einzelner Menschen, die sich auf zahllose komplexe Arten gegenseitig beeinflussen. Und jeder dieser Menschen stellt selbst eine äußerst komplizierte Einheit dar, viel komplexer als ein typischer unbelebter Gegenstand.
Als Beispiel dafür, dass unbelebte Abläufe vergleichsweise durchschaubar sind, dient Johannes Keplers Erfolg, im siebzehnten Jahrhundert aus den Beobachtungsdaten über die Planeten am Nachthimmel [21] drei einfache mathematische Gesetze über die Planetenbahnen abzuleiten:
  1. Die Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen, in deren einem gemeinsamen Brennpunkt die Sonne steht.
  2. Ein von der Sonne zum Planeten gezogener Fahrstrahl überstreicht in gleichen Zeiten gleich große Flächen.
  3. Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen der großen Bahnhalbachsen.
Warum haben wir nicht in ähnlicher Weise, die einfachen mathematischen Gesetze menschlichen Verhaltens entdeckt? Wahrscheinlich weil solche Gesetze nicht existieren. Verallgemeinerungen zum menschlichen Verhalten enthalten nahezu immer Ceteris-Paribus-Klauseln. Fast jeder Einflussfaktor auf unser Verhalten kann durch zahllose andere Faktoren verstärkt oder abgeschwächt werden. Der nächste Schritt hin zum Verhalten der ganzen Gesellschaft macht die Angelegenheit noch viel komplizierter. Sollte es gesellschaftliche Entwicklungsgesetze geben, wären sie zweifelsohne unglaublich kompliziert.
Man könnte die Hoffnung hegen, nach fehlgeschlagenen Vorhersagen landeten Sozialwissenschaftler auf dem harten Boden der Realität und berichtigten infolgedessen ihre zugrundeliegenden Theorien. Wie Tetlock jedoch herausfand, geschieht das kaum. Die meisten Fachleute ziehen es vor, ihre Fehler auf eine Weise wegzureden, die ihre theoretischen Überzeugungen schont. Vielleicht würden wir solche Erklärungen gerne als bloße Rationalisierungen abtun. Dabei stoßen wir jedoch normalerweise auf die Schwierigkeit, im konkreten Fall nicht beweisen können, dass die Erklärung nicht zutrifft. Es mag tatsächlich stimmen, dass die Vorhersage beinahe eingetreten wäre, und dass die zugrundeliegende Theorie des Fachmanns trotz der fehlgeschlagenen Vorhersage grundsätzlich stimmt. Bleiben die erwarteten Ergebnisse einer Maßnahme aus, liegt das vielleicht tatsächlich an der schlechten Umsetzung oder unglücklichen Begleitumständen. Im gesellschaftlichen Bereich geschieht nichts, was je als idealer Test der Theorie von irgendjemand gelten könnte. Daher fällt der Beweis schwer, dass ein bestimmter Ideologe tatsächlich unvernünftig handelt, wenn er sich weigert, seine Überzeugungen anzupassen. Meist bleibt das Ansichtssache.
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