Das Recht auf Beschränkung: Club USA  Hauptseite
Gibt es ein Recht
auf Einwanderung?
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5 Fazit

Die Beweisführung dieses Aufsatzes verlief im Wesentlichen so:
  1. Menschen haben ein Anscheinsrecht auf Einwanderung (d. h. ein Recht darauf, nicht am Einwandern gehindert zu werden). Die Begründung dafür lautet:
    1. Menschen haben ein Anscheinsrecht, von schädlichem Zwang verschont zu bleiben.
    2. Einwanderungsbeschränkungen sind schädlich und mit Zwang verbunden.
  2. Das Anscheinsrecht auf Einwanderung wird nicht verdrängt. Im Einzelnen:
    1. Die Folgen der Einwanderung auf den Arbeitsmarkt verdrängen es nicht.
    2. Die fiskalische Last, soziale Dienste für Einwanderer bereitzustellen, verdrängt es nicht.
    3. Weder die besondere Verpflichtung des Staates seinen Bürgern gegenüber im Allgemeinen noch gegenüber seinen ärmsten Bürgern im Besonderen verdrängt es.
    4. Die Bedrohung der Kultur eines Landes durch Einwanderer verdrängt es nicht.
  3. Daher handelt es sich bei Einwanderungsbeschränkungen um verwerfliche Rechtsverletzungen.
In diesem letzten Abschnitt würde ich mich gerne dazu äußern, wie mein Argument sich zu anderen einschlägigen Argumenten verhält sowohl zu solchen aus dem landläufigen Diskurs [459] als auch solchen aus der wissenschaftlichen Literatur; des Weiteren, warum die Mehrheit der Bürger an der Unterstützung sehr strikter Einwanderungsregeln festhält; und schließlich, warum es sich bei der Einwanderungsfrage um eine der derzeit wichtigsten politischen Fragen handelt.
Im landläufigen Diskurs handelt es sich bei den meisten Argumenten zur Einwanderung um beschränkt Konsequentialistische, d. h. konsequentialistische Argumente, bei welchen sich das Augenmerk auf die Folgen für einheimische Bürger beschränkt. Einwanderungsgegner behaupten typischerweise, Einwanderer schadeten einheimischen Arbeitskräften, wogegen Verfechter freiheitlicherer Einwanderungsregelungen behaupten, Einwanderer seien für die heimische Wirtschaft ein Segen. Beide Seiten lassen gemeinhin das Wohlergehen der Einwanderer selbst außer Acht, als spielten diese keine Rolle, ebenso lassen sie jegliche Fragen des Rechts und der Gerechtigkeit abseits wirtschaftlicher Folgen außer Acht. Als Gegenpol zu diesem erbärmlich oberflächlichen Diskurs habe ich in diesem Aufsatz versucht, die Aufmerksamkeit auf die Rechte der Einwanderungswilligen zu lenken und auf die moralische Tragweite schädlicher Beschränkungen, die Menschen gewaltsam auferlegt werden.
In der wissenschaftlichen Fachliteratur übergehen viele Argumente zur Verteidigung der Beschränkung in ähnlicher Weise die Rechte Einwanderungswilliger und die moralische Tragweite von Zwang und nehmen stattdessen die Interessen der einheimischen Bürger in den Blick.[49] [49] Blake (2002, S. 268) erkennt die moralische Bedeutung von Zwang, scheint aber den Zwangscharakter von Einwanderungsbeschränkungen zu übersehen. Dies trifft beispielsweise zu, wenn Verteidiger der Beschränkung darlegen, dass die Bürger ein Interesse daran haben, kulturell die Oberhand in ihrer Gesellschaft zu behalten, oder dass arme Bürger Interesse an einer Begrenzung des Wettbewerbs auf dem Arbeitsmarkt haben, ohne sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob die Beförderung derartiger Interessen schädlichen Zwang gegen Unschuldige rechtfertigt. Diejenigen, welche auf die Frage nach den Rechten von Einwanderern eingehen, behandeln das Problem im Sinne eines Rechts auf Freizügigkeit und/oder im Sinne von Rechten im Bezug auf Verteilungsgerechtigkeit.[50] [50] Zum angeblichen Recht auf Freizügigkeit siehe Joseph Carens, „Migration and Morality: A Liberal Egalitarian Perspective“, S. 25–47 in Free Movement: Ethical Issues in the Transnational Migration of People and Money, Hrsg. Brian Barry und Robert E. Goodin (University Park, Penn.: University of Pennsylvania Press, 1992); Miller 2005, S. 194–197; Kershnar 2000, S. 151–153; Barry 1992, S. 283–285. Zu Fragen der Verteilungsgerechtigkeit siehe Wellman 2008, S. 121–130; Miller 2005, S. 197–199; Blake 2002; Carens 1987, S. 255–262; Veit Bader, „Citizenship and Exclusion: Radical Democracy, Community, and Justice. Or, What Is Wrong with Communitarianism?“ Political Theory 23 (1995): 211–246, S. 214f. Einige Autoren gehen auf das Problem schädlichen Zwangs ein (Abizadeh 2008; Kukathas 2005, S. 210f). Ich habe mich auf ein einfacheres und allgemeineres Recht konzentriert – nämlich das Recht, von schädlichem Zwang verschont zu werden.
Die akademische Diskussion ist überwiegend theorielastig: Die Autoren behandeln Folgerungen für die Einwanderungspolitik, welche sich aus irgendeiner allgemeinen philosophischen Theorie oder Weltanschauung ergeben. Beispielsweise geht Kershnar von einer herkömmlichen Theorie des Gesellschaftsvertrags aus. Blake und Macedo gehen jeweils [460] von einem hypothetischen Gesellschaftsvertrag nach Rawls aus, welcher zum Differenzprinzip führt. Weitere Autoren untersuchen die Folgerungen aus egalitärem Liberalismus, Liberalismus im Allgemeinen, dem Libertarismus sowie dem Utilitarismus.[51] [51] Carens (1992) behandelt egalitären Liberalismus; Cole (2000) und Isbister (2000) behandeln Liberalismus im Allgemeinen; Carens (1987) bespricht Libertarismus, Utilitarismus und Rawls Differenzprinzip; Wellman (2008, S. 130–137) bespricht Libertarismus. Wie eingangs erwähnt, glaube ich nicht, dass eine dieser Theorien sich durchgesetzt hat. Ich habe mich daher daran gemacht, eine Position auf allgemein nachvollziehbare Intuition zu bestimmten Fallkonstellationen zu stützen. Diese Intuition ist nicht weltanschaulich umstritten, man würde beispielsweise nicht erwarten, dass Sozialdemokraten und Konservative sich darüber streiten, ob es zulässig ist, einen Hungernden gewaltsam daran zu hindern, zu einem Markt zu gelangen, um dort Nahrung zu kaufen. Das Argument für unbeschränkte Einwanderung sollte nahezu jeden überzeugen unabhängig von seiner Weltanschauung.
Wie kommt es dann, dass die meisten Bürger westlicher Demokratien gegen die Öffnung ihrer Grenzen sind? Meiner Meinung nach besteht die beste Erklärung darin, dass die meisten unter uns einer Voreingenommenheit unterliegen, welche sie die Rechte und Interessen von Ausländern allzu leicht übersehen lässt. Rassische Voreingenommenheit ließ die Weißen einst die Angehörigen ihrer eigenen Rasse wichtiger erscheinen als diejenigen anderer Rassen, und sie deren Rechte missachten. Sexistische Voreingenommenheit führte dazu, dass Männer sich für wichtiger hielten als Frauen und deren Rechte missachteten. In der Neuzeit wurden bei der Überwindung solcher Vorurteile große Fortschritte erzielt. Doch einige Vorurteile sind heutzutage noch immer salonfähig und werden von den meisten noch nicht einmal als solche erkannt. Derartiger Schonung unterliegt auch die völkische Voreingenommenheit, d. h. das Vorurteil nach welchem uns unsere Landsleute wichtiger vorkommen als die Bürger anderer Staaten, und das uns die Rechte der im Ausland Geborenen missachten lässt.[52] [52] Caplan (2007, S. 36–39, 58f, 66, 69–71) bespricht mehrere Erscheinungsformen der Voreingenommenheit gegenüber Ausländern.
Wenn wir Amerikaner heute an den unverhohlenen Rassismus früherer Generationen zurückdenken, mag uns leicht Scham für unsere Vorfahren überkommen. Die meisten von uns würden vor der Anspielung zurückschrecken, unsere Rasse sei anderen überlegen. Wir spüren, dass wir uns nicht in die Lage versetzen können, derart Vorurteilen verhaftet zu sein. Wie konnte jemand blind für das Unrecht der Sklaverei oder der Rassentrennung sein? Doch die meisten Amerikaner – ebenso wie die meisten Menschen weltweit – haben eigentlich leichten Zugang dazu, wie es war, ein unverhohlener Rassist zu sein. Es geht darum, über die eigene Rasse Gefühle zu hegen, wie sie die meisten von uns heutzutage für ihr Vaterland hegen. Wir heutigen Amerikaner zucken ebensowenig zusammen, wenn wir die Aussage hören, Amerika sei das großartigste Land der Erde, wie es die Weißen vor hundert Jahren taten, wenn sie hörten, die weiße Rasse sei allen anderen überlegen. Wir zucken ebensowenig zusammen, wenn wir hören, amerikanische Unternehmen sollten angestammte Amerikaner [461] statt Einwanderern einstellen, wie die Amerikaner vor drei Generationen es getan hätten, wenn ihnen zu Ohren kam, dass Unternehmen im Besitz von Weißen weiße Bewerber Schwarzen vorziehen sollen. Natürlich könnten Nationalisten sich Erklärungen dafür zurechtlegen, was Nation von Rasse unterscheidet, und warum Nationalismus wirklich gerechtfertigt ist. Hier ist nicht der richtige Ort darauf einzugehen. Ich bringe schlicht als Denkanstoß vor, dass wir vielleicht nicht mit Scham auf unsere Vorfahren herabblicken sollten, und dass unsere Nachfahren ähnlich von uns denken könnten, wie wir es über unsere Vorfahren tun.
Wie dem auch sein mag; jedenfalls ist die Einwanderungsfrage in der zeitgenössischen Philosophie mit Sicherheit unterrepräsentiert gemessen an ihrer menschlichen Bedeutung. Buchstäblich Millionen von Leben treffen Einwanderungsbeschränkungen schlimm und dauerhaft. Höbe man diese Beschränkungen auf, sähen Millionen von Menschen ihre Chancen drastisch erweitert und packten die Gelegenheit beim Schopfe, ihr Los zum Besseren zu wenden. Dies macht das Einwanderungsrecht zu einem aussichtsreichen Anwärter darauf, das schädlichste Gesetzeswerk im heutigen Amerika zu sein. In Anbetracht dessen schmerzt besonders, dass diese Beschränkungen so wenig gerechtfertigt erscheinen.[53] [53] Ich würde gerne zwei anonymen Schiedsrichtern bei Social Theory and Practice meinen Dank für ihre hilfreichen Kommentare zum Manuskript aussprechen.

Fußnoten

[1]U.S. Department of Homeland Security, Yearbook of Immigration Statistics: 2007, http://www.dhs.gov/yearbook-immigration-statistics (Washington, D.C.: U.S. Department of Homeland Security, Office of Immigration Statistics, 2008; [Link vom Übersetzer aktualisiert, abgerufen am 31. Dez. 2014]), S. 5 u. 95.
[2]Beim Versuch, rechtswidrig in die Vereinigten Staaten einzuwandern, starben 2005 insgesamt 472 Menschen. Viele starben im Klima der Wüste von Arizona; zu den anderen Todesursachen zählten Ertrinken, Autounfälle und Tötungsdelikte (U.S. Government Accountability Office, “Illegal Immigration: Border-Crossing Deaths Have Doubled Since 1995; Border Patrol’s Efforts to Prevent Deaths Have Not Been Fully Evaluated”, http://www.gao.gov/new.items/d06770.pdf [Washington, D.C.: U.S. Government Accountability Office, Aug. 2006; aufgerufen am 22. Feb. 2010], S. 3–4 u. 59). Die Regierung schätzt, dass trotz ihrer Bemühungen etwa 11,6 Millionen Menschen die illegale Einwanderung gelungen ist (U.S. Department of Homeland Security, „Estimates of the Unauthorized Immigrant Population Residing in the United States: January 2008“, http://www.dhs.gov/xlibrary/assets/statistics/publications/ois_ill_pe_2008.pdf [Washington, D.C.: U.S. Department of Homeland Security, Office of Immigration Statistics, 2009; aufgerufen am 9. Apr. 2009]).
[3]Denken Sie beispielsweise an Judith Thomsons Geiger (“A Defense of Abortion”, Philosophy and Public Affairs 1 [1971]: 47–66, S. 48–49) oder Peter Singers flachen Zierteich (Practical Ethics, 2nd edition [Cambridge: Cambridge University Press, 1993], S. 229 [Praktische Ethik , Reclam]).
[4]Konsultieren Sie mein Buch Ethical Intuitionism (New York: Palgrave Macmillan, 2005) für eine allgemeine Verteidigung ethischer Intuition. Kritik am Vertrauen in fallbasierte Intuition übt Peter Singer in „Ethics and Intuitions“ Journal of Ethics 9 (2005): S. 331–352.
[5]Shelley Wilcox schlägt vor, Schaden in Bezug auf ein „Menschenrechtsdefizit“ zu definieren („Immigrant Admissions and Global Relations of Harm“, Journal of Social Philosophy 38 [2007]: 274–291, S. 279). Nach dieser Ansicht muss man zuerst feststellen, ob ein Menschenrecht verletzt wurde, um festzustellen, ob jemandem geschadet wurde. Meiner Meinung nach zäumt man damit das Pferd von hinten auf. Der Begriff des Menschenrechtsdefizits ist theoretischer und umstrittener als der Begriff des Schadens, und man sollte daher das Vorliegen eines Schadens erkennen können, ohne Menschenrechtsdefizite zu erkennen. Beispielsweise mag ein Utilitarist erkennen, dass oft Leuten geschadet wird, selbst wenn es (wie er gleichfalls glauben mag) keine Rechte gibt. Wilcox (S. 278) befürchtet, dass ein weiter gefasster Schadensbegriff zu Schwierigkeiten führen könnte, wenn man zugleich die Ansicht vertritt, dass es für Staaten generell falsch ist, Menschen zu schaden. Dieses Problem lässt sich jedoch vermeiden, indem man nur den schwächeren Grundsatz annimmt, dass es prima facie falsch ist, Menschen ernstlich und gewaltsam zu schaden. Dieser Grundsatz ist unumstritten und reicht – wie wir gleich sehen – dennoch aus, um Argumente gegen Einwanderungsbeschränkungen zu liefern.
[6]Siehe Jan Narveson, Moral Matters (Lewiston, N.Y.: Broadview, 1993), S. 138–150.
[7]Narveson (1993, S. 139) bestätigt dies, und beschreibt einen Fall als Mord, bei dem jemand davon abgehalten wird, Nahrung zu beschaffen.
[8]Siehe Robert Nozick, Anarchy, State, and Utopia (New York: Basic Books, 1974), Kapitel 3 u. 7 [ Anarchie – Staat – Utopia
, Olzog]; Narveson 1993, S. 146–150.
[9]Narveson (1993, S. 153–155) unterstellt, das die Armut in der Welt überwiegend von den jeweiligen Regierungen verursacht wird. Thomas Pogge (World Poverty and Human Rights: Cosmopolitan Responsibilities and Reforms [Cambridge: Polity Press, 2008], S. 218–222 [Weltarmut und Menschenrechte , De Gruyter]) behauptet dagegen, die US-Regierung sei teilweise verantwortlich für viele der Leiden der Bewohner unterentwickelter Länder.
[10]Siehe Jeff McMahan, „Killing, Letting Die, and Withdrawing of Aid“, Ethics 103 (1993): S. 250–279. Besonders klar ist Shelly Kagans Fall, in welchem der Protagonist einen Scheck zur Linderung einer Hungesnot ausgestellt und zum Versand einem Freund übergeben hat (The Limits of Morality [Oxford: Oxford University Press, 1991], S. 107). Er überlegt es sich anders und will den Scheck zurück haben, bevor sein Freund ihn abgeschickt hat. In diesem Fall wird Hilfe durch aktives Handeln zurückgehalten. Die Meisten würde dies als Zulassen statt als Zufügen von Schaden einstufen (besprochen in McMahan 1993, S. 259–260).
[11]Die Bundesregierung gibt im Jahr fast 13 Mrd. Dollar aus, um unbefugte Einwanderer abzuhalten oder abzuschieben (U.S. Office of Management and Budget, „Budget FY 2009—Department of Homeland Security“, http://www.whitehouse.gov/omb/budget/fy2009/homeland.html [abgerufen am 9. Apr. 2009]). Chandran Kukathas bringt das moralische Problem gut auf den Punkt: „Es wäre schlimm genug, diesen Menschen mit Gleichgültigkeit zu begegnen und ihnen positive Unterstützung zu verweigern. Noch schlimmer wäre es, ihnen die Möglichkeit zu nehmen, sich selbst zu helfen. Und wenn man sich die Mühe macht, seinen Mitbürgern das Recht streitig zu machen, Bedürftigen zu helfen – etwa mit einem Arbeitsplatz oder einem Obdach, ist das anscheinend noch einmal schwerer zu rechtfertigen – wenn nicht gar vollkommen pervers.“ („The Case for Open Immigration“, S. 207–220 in Contemporary Debates in Applied Ethics, Hrsg. Andrew I. Cohen und Christopher Heath Wellman [Malden, Mass.: Blackwell, 2005], S. 211).
[12]Michael Blake behauptet, Zwang könne durch eine hypothetische Übereinkunft gerechtfertigt sein, d. h. durch den Umstand, dass man den zwangsweise auferlegten Folgen unter bestimmten idealen Rahmenbedingungen zu gestimmt hätte („Distributive Justice, State Coercion, and Autonomy“, Philosophy and Public Affairs 30 [2002]: 257–296, S. 274).
[13]Siehe Susan Vroman, „Some Caveats on the Welfare Economics of Immigration Law“, S. 212–218 in Justice in Immigration, Hrsg. Warren F. Schwartz (Cambridge: Cambridge University Press, 1995); Roy Beck, The Case Against Immigration (New York: W.W. Norton and Company, 1996), S. 9f.
[14]Julian Simon und Stephen Moore befragten einen exklusiven Kreis von 27 hoch angesehenen Volkswirten, jene die entweder Vorsitzende der American-Economic-Association waren oder zu den Wirtschaftsweisen im Sachverständigenrat des Präsidenten zählten (wiedergegeben nach Julian Simon, „The Economic Consequences of Immigration“ [Oxford: Blackwell, 1989], S. 357–361). 22 Teilnehmer bewerteten die Folgen der Einwanderung auf die US-Wirtschaft im zwanzigsten Jahrhundert als „ausgesprochen günstig“, und die restlichen fünf als „leicht günstig“. Keiner hielt sie für ungünstig, und keiner sagte, er wisse es nicht. Bryan Caplan bespricht ähnliche, weniger drastische Ergebnisse einer Umfrage zur Wirtschaft unter Amerikanern und Volkswirten (The Myth of the Rational Voter [Princeton, N.J.: Princeton University Press, 2007], S. 58f).
[15]National Research Council, Panel on the Demographic and Economic Impacts of Immigration, The New Americans: Economic, Demographic, and Fiscal Effects of Immigration, Hrsg. James P. Smith und Barry Edmonston (Washington, D.C.: National Academies Press, 1997), S. 6f. Stephen Macedo („The Moral Dilemma of U.S. Immigration Policy: Open Borders Versus Social Justice?“, S. 63–81 in Debating Immigration, Hrsg. Carol M. Swain [Cambridge: Cambridge University Press, 2008], S. 66) nennt unter Berufung auf George Borjas (Heaven’s Door: Immigration Policy and the American Economy [Princeton, N.J.: Princeton University Press, 1999]) Zahlen von 4 % insgesamt und 7,4 % für Abbrecher der Oberschule im Zeitraum von 1980 bis 2000.
[16]Caplan 2007, S. 58f; Simon 1989, S. 11 u. 354f.
[17]Siehe John Isbister, „A Liberal Argument for Border Controls: Reply to Carens“, International Migration Review 34 (2000): 629–635.
[18]Peter Brimelow, Alien Nation: Common Sense about America’s Immigration Disaster (New York: Random House, 1995); Joseph Heath, „Immigration, Multiculturalism, and the Social Contract“, Canadian Journal of Law and Jurisprudence 10 (1997): 343–361, S. 347f.
[19]Der Bundesforschungsbeirat (National Research Council) schätzt (1997, S. 10), dass eine 10%ige Erhöhung der Einwanderung eine jährliche fiskalische Last von 15 bis 20 $ pro bestehendem amerikanischen Haushalt bedeuten würde. Gemäß der Haushaltsbehörde des Kongresses handelt es sich bei den teuersten staatlichen Leistungen, die Einwanderer in Anspruch nehmen, um Schulbildung, Krankenversorgung und Strafverfolgung („The Impact of Unauthorized Immigrants on the Budgets of State and Local Governments“, http://www.cbo.gov/doc.cfm?index=8711 [Washington, D.C.: Congressional Budget Office, 2007; abgerufen am 9. Apr. 2009]).
[20]National Research Council 1997, S. 11.
[21]National Research Council 1997, S. 11f
[22]Siehe Abschnitt 3.3↓ unten.
[23]Kukathas (2005, S. 213) schlägt eine vergleichbare Regelung vor. Die US-Bundesregierung schließt bereits rechtmäßig eingewanderte Bewohner in den ersten fünf Jahren nach ihrer Ankunft von Sozialhilfeleistungen des Bundes aus (Tanya Broder und Jonathan Blazer, „Overview of Immigrant Eligibility for Federal Programs“, National Immigration Law Center, http://nilc.org/x/pdf-70pct.gif [Oktober 2009; [Link vom Übersetzer aktualisiert, abgerufen am 31. Dez. 2014]]). Im allgemeinen verlangt die Bundesregierung jedoch von Regierungen auf Staats- und Ortsebene, dass diese soziale Leistungen für all ihre Bewohner erbringen, unabhängig von deren Aufenthaltsstatus (U.S. Congressional Budget Office 2007).
[24]Bei John Rawls Differenzprinzip handelt es sich um eine extreme Form der Vorrangsmeinung (A Theory of Justice [Eine Theorie der Gerechtigkeit , Suhrkamp], überarbeitet, erschienen bei [Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1999], S. 65–70). Der Begriff „Vorrangsmeinung“ stammt von Derek Parfit, obgleich er ihn zur Beschreibung einer generellen ethischen Meinung verwendet statt zur Beschreibung einer Meinung in Hinblick auf staatliche Pflichten („Equality or Priority?“ [Lindleys Vorlesung an der Universität Kansas von 1991; Streitschrift veröffentlicht von der Universität Kansas, 1995], S. 19).
[25]Joseph Carens, „Aliens and Citizens: The Case for Open Borders“, Review of Politics 49 (1987): 251–273, S. 255–262.
[26]Isbister 2000; Blake 2002; Macedo 2008.
[27]Blake 2002, S. 274–284; Michael Blake, „Immigration“, S. 224–237 in A Companion to Applied Ethics, Hrsg. R.G. Frey u. Christopher Heath Wellman (Malden, Mass.: Blackwell, 2003), auf S. 227f.
[28]Macedo 2008.
[29]für eine einflussreiche Kritik dieser Ansicht siehe Nozick 1974, Kap. 7.
[30]Arash Abizadeh bringt dieses Argument vor in „Democratic Theory and Border Coercion: No Right to Unilaterally Control Your Own Borders“, Political Theory 36 (2008): 37–65, S. 44–48.
[31]Brimelow 1995, S. 178–181; Yael Tamir, Liberal Nationalism (Princeton, N.J.: Princeton University Press, 1993), S. 158–160; Michael Walzer, Spheres of Justice: A Defense of Pluralism and Equality (New York: Basic Books, 1983), S. 38–41 [Sphären der Gerechtigkeit, Campus-Verlag]. Michael Dummett (On Immigration and Refugees [London: Routledge, 2001], S. 50–52) erkennt ein Recht auf Einwanderungsbegrenzung zur Verhinderung des eigenen kulturellen Untergangs an, glaubt aber, dass nur wenige Länder berechtigte Sorge um einen solchen Untergang haben.
[32]Heath (1997, S. 349–350) zitiert Will Kymlicka (Liberalism, Community and Culture [Oxford: Clarendon Press, 1989], S. 165–166) in Hinsicht auf den Stellenwert der Kultur und wendet dabei dessen These auf die Einwanderungsfrage an.
[33]David Miller „Immigration: The Case for Limits“, S. 193–206 in Contemporary Debates in Applied Ethics, Hrsg. Andrew I. Cohen und Christopher Heath Wellman (Malden, Mass.: Blackwell, 2005), S. 200–201.
[34]Daniel Workman, „Coca-Cola Global Sales: India Most Promising International Market“, http://internationaltrade.suite101.com/article.cfm/coca_cola_global_sales (28. Dez. 2006; abgerufen am 30. März 2009).
[35]Daniel Workman, „McDonald’s Global Sales: Big Mac’s International Revenues Sizzle in 2006“, http://internationaltrade.suite101.com/article.cfm/mcdonalds_global_sales (24. Oktober 2006; abgerufen am 30. März 2009).
[36]Box Office Mojo, „All Time Worldwide Box Office Grosses“, http://www.boxofficemojo.com/alltime/world/ (abgerufen am 22. Feb. 2010).
[37]BBC News, „Millionaire Dominates Global TV“,
http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4436837.stm (12. Apr. 2005; abgerufen am 30. März 2009); Daily Mail Reporter, „Coming Soon to Afghanistan ... Who Wants To Be A (Sort of) Millionaire?“, http://www.dailymail.co.uk/news/article-1078294/Coming-soon-Afghanistan--Who-Wants-To-Be-A-sort-Millionaire.html (16. Oktober 2008; abgerufen am 30. März 2009). „Wer wird Millionär“ stammt aus Großbritannien. Die Webpräsenz der nigerianischen, venezolanischen bzw. japanischen Fassung der Sendung lässt sich über http://www.millionairenigeria.com/, http://www.rctv.net/Programacion/VerPrograma.aspx?ProgramacionId=24 bzw. http://wwwz.fujitv.co.jp/quiz/index.html abrufen.
[38]Brian Barry, „The Quest for Consistency: A Sceptical View“, S. 279–287 in Free Movement: Ethical Issues in the Transnational Migration of People and Money, Hrsg. Brian Barry und Robert E. Goodin (University Park, Penn.: University of Pennsylvania Press, 1992).
[39]ebendort S. 281.
[40]D’Vera Cohn und Rich Morin, „American Mobility: Movers, Stayers, Places and Reasons“, Pew Research Center, http://pewresearch.org/pubs/1058/american-mobility-moversstayers-places-and-reasons (17. Dez. 2008; abgerufen am 2. Apr. 2009).
[41]Doug Thompson, „Legal Immigration Waiting List Long, Records Show“, The Morning News, http://www.nwaonline.net/articles/2007/05/09/news/051007arlegally.txt (9. Mai 2007; aufgerufen am 17. Apr. 2009).
[42]U.S. Department of State, „Diversity Visa Lottery 2009 (DV-2009) Results“, http://travel.state.gov/visa/immigrants/types/types_4317.html (abgerufen am 9. April 2009). Bei der Visavielfaltsverlosung waren folgende Länder nicht zugelassen: Brasilien, Kanada, China, Kolumbien, die Dominikanische Republik, Ekuador, El Salvador, Guatemala, Haiti, Indien, Jamaika, Mexiko, Pakistan, Peru, die Philippinen, Polen, Russland, Südkorea, das Vereinigte Königreich und Vietnam.
[43]Die Bevölkerungsstatistik beruht auf Schätzungen der CIA (U.S. Central Intelligence Agency, „World Factbook“, https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/index.html [abgerufen am 9. Apr. 2009]).
[44]Nachdem ich die Bemerkungen niedergeschrieben hatte, stieß ich auf eine Umfrage von Gallup, die zeigt, dass die Vereinigten Staaten das weltweit begehrteste Einwanderungsziel sind, und derzufolge etwa 165 Millionen Menschen lieber in den Vereinigten Staaten leben wollen als weiterhin in ihrem Heimatland (Neli Esipova u. Julie Ray, „700 Million Worldwide Desire to Migrate Permanently“, http://www.gallup.com/poll/124028/700-million-worldwide-desire-migrate-permanently.aspx [2. Nov. 2009; abgerufen am 19. Feb. 2010]). Dennoch haben die meisten keinen erkennbaren Aufwand für einen Umzug in die V. S. betrieben.
[45]Auf der Grundlage von Schätzungen aus einer US-Volkszählung machte die Zuwanderung im Jahre 2009 0,28 % der Bevölkerung aus (wobei anzumerken wäre, dass illegale Zuwanderer nicht erfasst wurden, deren Zahl im Jahre 2009 unbekannt ist) (U.S. Census Bureau, „Estimates of the Components of Resident Population Change for the United States, Regions, and States: July 1, 2008 to July 1, 2009 (NST-EST2008-05)“, http://www.census.gov/popest/states/NST-comp-chg.html [erschienen im Dez. 2009; abgerufen am 22. Feb. 2010]; U.S. Census Bureau, „Annual Estimates of the Resident Population for the United States, Regions, States, and Puerto Rico: April 1, 2000 to July 1, 2009 (NST-EST2009-01)“, http://www.census.gov/popest/states/NST-ann-est.html [erschienen im Dez. 2009; abgerufen am 23. Feb. 2010]). Im Jahre 1854 machte die Zuwanderung fast 2 % der Bevölkerung aus (Roger Daniels, Coming to America: A History of Immigration and Ethnicity in American Life [New York: HarperCollins, 1990], S. 124). Im Jahre 1910 war 14,7 % der US-Bevölkerung im Ausland geboren (Daniels 1990, S. 125) im Vergleich zu 7,3 % im Jahre 2004, bei dem es sich um das jüngste Jahr handelt, für das die Behörde für Bevölkerungsstatistik Zahlen vorgelegt hat (U.S. Census Bureau, „Population by Sex, Age, and U.S. Citizenship Status: 2004“, http://www.census.gov/population/www/socdemo/foreign/ppl-176.html [22. Feb. 2005; abgerufen am 2. Apr. 2009]).
[46]Alle Angaben zur Bevölkerungsdichte wurde aus Zahlen der CIA berechnet (U.S. Central Intelligence Agency, 2009). Die Berechnung erfolgte unter Ausschluss von Flächen, die von Wasser bedeckt, sind nur anhand der Landfläche. In Monaco, dem am dichtesten besiedelte Land, leben 16.767 Menschen auf einem Quadratkilometer; da jedoch das Land nur aus einer einzelnen Stadt besteht, kann man nicht davon ausgehen, dass die V. S. eine ähnliche Bevölkerungsdichte auf erträgliche Weise erreichen könnten.
[47]Siehe Walzer 1983, S. 39–41; Stephen Kershnar, „There Is No Moral Right to Immigrate to the United States“, Public Affairs Quarterly 14 (2000): 141–158, S. 143; Christopher Heath Wellman, „Immigration and Freedom of Association“, Ethics 119 (2008): 109–141, S. 110–114. Doch diejenigen, welche diese Ansicht verteidigen, behaupten im Allgemeinen nicht, der Staat dürfe Einwanderer aus beliebigen Gründen ausschließen – etwa aus rassischen Gründen (Miller 2005, S. 204; Wellman 2008, S. 139–140).
[48]Phillip Cole (Philosophies of Exclusion: Liberal Political Theory and Immigration [Edinburgh: Edinburgh University Press, 2000], S. 72) bemerkt zurecht, dass es Walzer nicht gelang zu zeigen, dass politische Gemeinschaften in relevanter Hinsicht privaten Clubs entsprechen. Ich gehe hier weiter, indem ich einige relevante Unterschiede aufzeige.
[49]Blake (2002, S. 268) erkennt die moralische Bedeutung von Zwang, scheint aber den Zwangscharakter von Einwanderungsbeschränkungen zu übersehen.
[50]Zum angeblichen Recht auf Freizügigkeit siehe Joseph Carens, „Migration and Morality: A Liberal Egalitarian Perspective“, S. 25–47 in Free Movement: Ethical Issues in the Transnational Migration of People and Money, Hrsg. Brian Barry und Robert E. Goodin (University Park, Penn.: University of Pennsylvania Press, 1992); Miller 2005, S. 194–197; Kershnar 2000, S. 151–153; Barry 1992, S. 283–285. Zu Fragen der Verteilungsgerechtigkeit siehe Wellman 2008, S. 121–130; Miller 2005, S. 197–199; Blake 2002; Carens 1987, S. 255–262; Veit Bader, „Citizenship and Exclusion: Radical Democracy, Community, and Justice. Or, What Is Wrong with Communitarianism?“ Political Theory 23 (1995): 211–246, S. 214f. Einige Autoren gehen auf das Problem schädlichen Zwangs ein (Abizadeh 2008; Kukathas 2005, S. 210f).
[51]Carens (1992) behandelt egalitären Liberalismus; Cole (2000) und Isbister (2000) behandeln Liberalismus im Allgemeinen; Carens (1987) bespricht Libertarismus, Utilitarismus und Rawls Differenzprinzip; Wellman (2008, S. 130–137) bespricht Libertarismus.
[52]Caplan (2007, S. 36–39, 58f, 66, 69–71) bespricht mehrere Erscheinungsformen der Voreingenommenheit gegenüber Ausländern.
[53]Ich würde gerne zwei anonymen Schiedsrichtern bei Social Theory and Practice meinen Dank für ihre hilfreichen Kommentare zum Manuskript aussprechen.