Das Unrecht von Drogenverboten  Hauptseite Literatur 
Amerikas ungerechter Krieg
gegen die Drogen

4 Fazit

Zweifelsohne war der Krieg gegen die Drogen in vielerlei Hinsicht verheerend, wovon andere Autoren besser zu Schreiben verstehen, in Bezug auf die Kriminalitätsentwickung, die Korruption der Polizei und die Bürgerrechte, um nur einige Stichworte zu nennen. Doch darüber hinaus ist der Krieg gegen die Drogen schon in seiner Anlage eine moralische Zumutung. Wenn wir uns irgendeine Achtung vor Menschenrechten erhalten wollen, können wir keine Gewalt anwenden, um Menschen aus verstiegenen Gründen ihrer Freiheit und ihres Eigentums zu berauben. Die Ausübung derartigen Zwangs erfordert eine zwingende, klar formulierte Begründung. Die meisten Gründe, die im Fall des Drogenverbots tatsächlich vorgebracht wurden, hielte man für kläglich, brächte man sie in einem anderen Zusammenhang vor. Die Wenigsten würden das Ansinnen ernst nehmen, Menschen dafür einzusperren, dass sie ihrer eigenen Gesundheit schaden, schlechte Schüler sind oder den amerikanischen Traum nicht teilen. Noch schwerer fällt zu glauben, dass wir Menschen für ein Verhalten einsperren sollten, dass zu derartigen Folgen lediglich führen kann. Dennoch handelt es sich dabei um die Kernargumente für die Aufrechterhaltung des Verbots – neben weiteren ähnlich schwachen Argumenten.
Verbotsverfechter sind gleichfalls zu keiner Erwiderung auf das Argument fähig, Menschen hätten ein Recht, Drogen zu konsumieren. Jede derartige Erwiderung müsste entweder bestreiten, dass Menschen das Recht haben, ihren Körper zu beherrschen, oder dass es sich beim Drogenkonsum um eine Ausübung dieses Rechts handelt. Wir haben gezeigt, dass die Art von Schäden, welche Drogenkonsum angeblich der Gesellschaft zufügt, nicht als Argument dagegen taugen, dass es sich um die Ausübung des Rechts der Konsumenten über ihren eigenen Körper handelt. Und die Behauptung, Drogenkonsumenten seien nicht in der Lage, ihr Verhalten zu steuern, oder wüssten nicht, was sie tun, lässt noch rätselhafter erscheinen, wie man zu der Ansicht gelangen kann, Drogenkonsumenten gehörten für ihr Verhalten bestraft.
Ich schließe mit der Antwort auf eine Frage, die der Verbotsverfechter James Inciardi gestellt hat:
Die Regierung der Vereinigten Staaten wird Drogen nicht in naher Zukunft legalisieren – wenn sie es je tun wird, und mit Sicherheit nicht in diesem [dem 20.] Jahrhundert. Warum also so viel Zeit, Kosten und geistigen und seelischen Aufwand in einen Kampf gegen Windmühlen stecken? … Wir sollten inzwischen wissen, dass weder Politiker noch das Gemeinwesen jähe und drastische Strategiewechsel akzeptieren.
In den Vereinigten Staaten sitzen derzeit 450.000 Menschen zu Unrecht im Gefängnis. Inciardi mag tragischerweise recht damit haben, dass die Regierung keinerlei Absicht hat, diese massive Rechtsverletzung am eigenen Volk zu beenden. Dennoch bleibt es die Pflicht von Bürgern sowie politischen und gesellschaftlichen Denkern, das Unrecht zu benennen und es nicht stillschweigend zu akzeptieren. Stellen Sie sich einen Befürworter der Sklaverei vor, der Jahrzehnte vor dem Bürgerkrieg einwendet, Abolitionisten [143] sollten ihre Stimme schonen und sich aussichtsreicheren Zielen widmen – etwa der Verbesserung der Lebensbedingungen von Sklaven, angesichts der Tatsache, dass sie bei den Südstaaten in absehbarer Zeit auf taube Ohren stoßen. Die Sklaverei bildet einen Schadfleck in der Geschichte unseres Volkes, aber dieser wäre um so schändlicher, hätte in jener Zeit niemand das Wort dagegen ergriffen.
Ist dieser Vergleich überzogen? Ich finde nicht. Der Schaden, zu Unrecht inhaftiert zu sein, ist qualitativ vergleichbar (obgleich er früher endet) mit dem Schaden, versklavt zu sein. Die zunehmend beliebte schablonenhafte Darstellung von Drogenkonsumenten und -händlern seitens unserer Volksvertreter und ihre Rolle als Sündenbock lässt sich mit den rassistischen Vorurteilen früherer Generationen vergleichen. Doch nur sehr wenige verwenden sich für Drogenkonsumenten. Vielleicht lässt sich das Zögern Prominenter, für die Rechte von Drogenkonsumenten einzutreten, mit dem schlechten Image erklären, das wir mit Drogenkonsumenten verbinden, und der Furcht, mit ihnen in Verbindung gebracht zu werden. Dennoch bleibt diese Haltung ein Rätsel. Ich habe selbst illegale Drogen konsumiert. Ich kenne viele anständige und erfolgreiche Menschen innerhalb und außerhalb meines Berufes, die illegale Drogen konsumiert haben. Ein US-Präsident, ein Vizepräsident, ein Sprecher des Repräsentantenhauses und ein Richter am Obersten Gerichtshof haben alle zugegeben, illegale Drogen konsumiert zu haben. Mehr als ein Drittel aller Amerikaner über elf haben illegale Drogen konsumiert. Doch lassen wir für einen Moment die absurde Vorstellung außer acht, all diese Menschen strafrechtlich verfolgen zu wollen. Mein Standpunkt lautet: Wenn wir vom Unrecht des Drogenverbots überzeugt sind, dann können wir nicht stillhalten angesichts des massenhaften Unrechts in unserem eigenen Land, selbst wenn unser Aufbegehren auf taube Ohren stoßen sollte. Und radikale gesellschaftliche Reformen haben sich glücklicherweise mehr als einmal in unserer Geschichte ereignet, wobei moralische Argumente den Anstoß gaben.
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